Entwicklung der Wassersportfreunde Burg e.V. 1924

Unser Bootshaus hier am Kanal 20 a, im dem heute die Sportarten Kanu, Rudern und Segeln beheimatet sind, kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken.

1924 – 1933 Verein für freien Ruder- und Kanusport e. V.
1933 – 1946 „Wasserfreunde“ – Verein für Ruder- und Kanusport
1947 – 1948 Arbeiter – Kanu – Verein
1948 – 1949 „Wasserfreunde Burg“
1949 – 1951 Zentrale Sportgemeinschaft Burg
1951 – 1990 Betriebssportgemeinschaft „Einheit“ Burg
1990 – 1991 Burger Sportgemeinschaft „Einheit“ e. V.
seit 1991 „Wassersportfreunde Burg“ e.V. 1924

Im Grandsalon, in der Berlinerstraße, wurde der „Verein für freien Ruder- und Kanusport e.V. im Arbeiter-Wassersport-Verband aus der Taufe gehoben. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf 1,75 Mark festgelegt.

Gründungesmitglieder waren ehemalige Schwimmer des Schwimmclub’s „Hellas“, welcher sein Domizil am Kanal gleich neben unserem heutigen Anwesen hatte. Im Mai 1925 zog man mit den ersten selbst gebauten und geschmückten Booten durch die Stadt bis hin zur Gaststätte „Schweizerhäuschen“ am Kanal ganz in unserer Nähe. Am 18. August 1926 stellte der damalige Vorsitzende, Wilhelm Hönicke an die Baupolizeiverwaltung der Stadt Burg den Antrag zur Errichtung eines Bootshauses. Dieser wurde recht unbürokratische bearbeitet. Die Baugenehmigung wurde bereits am 2. September 1926 erteilt. Die Arbeiten gingen recht schnell voran. Doch die Freude währte nicht lange. Auf Anordnung des Regierungspräsidenten in Magdeburg erklärte man den Verein am 6. Juni 1933 für aufgelöst. Das Vereinsvermögen wurde eingezogen und die Sachwerte durch die Polizei sichergestellt. Nach gut einem viertel Jahr, unter Vorsitz des Hauptmannes a. D. Rudolf Triebel, genau am 2. November 1933, wurde der Verein „Wasserfreunde“ – Verein für Ruder- und Kanusport Burg neu gegründet und entsprechend der neuen politischen Orientierung weitergeführt. Wie viele andere Vereine traf auch den Verein „Wasserfreunde“ der Befehl Nummer 26 der sowjetischen Militäradministration, der auf Grund des Gesetzes des Kontrollrates Nummer 2 vom 10. Oktober 1945 mit Wirkung vom 20. Mai 1946 alle Vereine auflöste. Der Verein „Wasserfreunde“ wurde von Amts wegen gelöscht. Soweit die Geschichte, die an dieser Stelle eine Lücke aufzeigt. Die damaligen Gründer der Sportgemeinschaft können wir nicht mehr befragen. Nur eins ist nachvollziehbar, Ruderer gab es bis 1955 an dieser Stelle hier nicht. Diese bevölkerten zwar schon seit 1911 den damaligen Ihlekanal; das Domizil des Ruderclub’s Burg war bis 1946 jedoch das Bootshaus an der Knäcke-Brücke, Lüdersdorferflur. Schwer war der Aufbau des Wassersportes in den Nachkriegsjahren. Wenn es gelungen ist in Burg den Wassersport wieder zur Geltung zu bringen, so ist dies nur der Verdienst eines unerschütterlichen Aufbauwillens Einzelner und die Erkenntnis, dass der Sport zum alltäglichen Leben gehört, denn nur in einem gesunden Körper kann sich ein gesunder Geist entwickeln. Wieder war es Wilhelm Hönicke der hier vor Ort das Heft des Handelns in die Hände nahm und 1947 den Arbeiter-Kanu-Verein gründete. Das „Werk der Jugend“ des Kreises Jerichower Land I stellte am 10. Februar 1948 an die Landesregierung Sachsen-Anhalt den Antrag auf Überlassung des Sportheimes der Wasserfreunde Burg. Am 10. April 1948 wird das Objekt zurückerstattet. Noch 1948 schließt sich der Verein der Zentralen Sportgemeinschaft Burg an. Auch die Ruderer wurden wieder aktiv. Am 13. Mai 1950 fanden sich in der Gaststätte „Deutsches Haus“ in Burg, Magdeburgerstraße 5 dreizehn ehemalige beziehungsweise am Rudersport interessierte Bürger zusammen und gründeten die Sparte Rudern bei der Zentralen Sportgemeinschaft Burg.
Das Bootshaus des ehemaligen Ruderclubs Burg war noch durch die Sowjetarmee besetzt; Bootsmaterial war gar nicht mehr vorhanden. Ein Schreiben an die Jugendheim GmbH in Berlin, zwecks Rückübertragung des Bootshauses, blieb ohne Ergebnis. Um jedoch die Entwicklung des Bootshauses aus nächster Nähe zu verfolgen, fanden die Ruderer Unterschlupf in der damaligen Gaststätte „Helgoland“ an der Knäcke-Brücke. In einem Kohleschuppen der Firma Hauschild, in unmittelbarer Nähe, wurden zwei Boote repariert, die im wrackähnlichen Zustand aus Privatbesitz übernommen und nach fasst zweijähriger Reparaturzeit am 20. April 1952 ihrer Bestimmung übergeben werden konnten. 1951 löste sich die Zentrale Sportgemeinschaft Burg auf und die Sparten Fußball, Kanu, Rudern, Tennis, Tischtennis und Turnen gründeten die Sportgemeinschaft BSG „Einheit“ Burg. Am 13. Oktober 1951 gründete sich unter Leitung von Willi Hermann die Sektion Segeln. Eine ehemalige Plakatmalerei diente als Werft und Bootslager. Als Slippanlage zum Einsetzen und Bergen der Segelboote im Hafen kamen alte Feldbahngleise und eine handbetriebene Ankerwinde zum Einsatz. Für die Ruderer ging das Bootshaus des ehemaligen Ruderclubs verloren, da die Trägerbetriebe der BSG Einheit das Geld für den Rückkauf des Bootshauses von der Treuhand nicht aufbringen konnten. Als Schwerpunkt für das Jahr 1955 wurde daher der Bau einer Bootshalle beschlossen. Diese konnte bereits im August des gleichen Jahres auf dem Gelände der BSG Einheit, dem heutigen Gelände, eingeweiht werden. Große Bauvorhaben prägten die sechziger Jahre. Im Sommer 1960 wurde der zweite Bauabschnitt der Ruderbootshalle fertig gestellt. Das Bootshaus erhielt einen Anbau als Umkleidekabine für die Sektion Kanu. Die Sektionsleitung Segeln faste den Beschluss zum Bau einer großen Bootshalle als Winterlager. Das große Bauvorhaben „Wirtschaftgebäude“ von 1967 bis1971 ging jedoch nur langsam voran. Im ersten Obergeschoß des Wirtschaftsgebäudes wurde eine Wohnung, Toiletten, ein Gastraum und eine Wirtschaftsküche geschaffen, im Erdgeschoss Sanitär- und Umkleideräume für die Aktiven, im Keller die Heizung und der Bierkeller untergebracht. Hierfür leisteten die Mitglieder der Sektionen Kanu, Rudern und Segeln 42.200 Arbeitsstunden, was einen materiellen Wert von knapp 250.000 Mark entsprach. 1975 wird der dritte Komplex der Ruderbootshalle mit Kraftraum und Werkstatt eingeweiht und auch die Seglerhalle musste inzwischen schon erweitert werden. Die Bootswagen und Steganlagen wurden auf Grund der hohen Belastungen ständig erneuert bzw. erweitert. Sportlich entwickelten sich die Sektionen Kanu und Rudern besondern im Kinder- und Jugendbereich weiter. Im Rahmen der Bildung von Leistungszentren erhielten beide Sektionen ein Trainingszentrum. Viele Sportlerinnen und Sportler starteten im Rahmen von Bezirksauswahlmannschaften bei Meisterschaften und Spartakiaden der Republik und errangen Gold- und andere Medaillen. Die besten unserer Sportler starteten für die Leistungszentren Magdeburg und Berlin und kehren von internationalen Meisterschaften, wie Olympische Spiele und Weltmeisterschaften, hoch dekoriert zurück. Im Sommer 1984 wird der alte Saal, inklusive Kanubootsstände, wegen Baufälligkeit polizeilich gesperrt. An einen Neubau konnte trotz vieler Versuche und Initiativen, nicht gedacht werden. Für die Kanuboote wurde eine Ersatzlösung in der Scheune des Nachbarn geschaffen. Plötzlich und aus der Sicht des Sportes, für viele unerwartet, standen wir vor einem Problem mit dem keiner so recht etwas anzufangen wusste. Die Wende. Aber wie in all den Jahren zuvor wurde nicht lange überlegt. Am 23. November 1990 erklären die drei Wassersportsektionen ihren Austritt aus der Burger Sportgemeinschaft „Einheit“, die sich zwischenzeitlich umbenannt hatte und nahmen ihre Geschicke selbst in die Hand. Ab dem 24.1.1991 begann dann für die drei Abteilungen Kanu, Rudern und Segeln, nun unter Wassersportfreunde Burg e. V. von 1924, ein neuer langer und bürokratischer Weg der Anerkennung bis hin zur Sicherung des Objektes.

Die Wassersportfreunde wurden Mitglied im Landessportbund, die Abteilungen Mitglieder in ihren Dachverbänden. Nach Eintragung in das Vereinsregister und Anerkennung der Gemeinnützigkeit wurde zum 1. Januar 1992 mit der Stadt Burg ein Vertrag auf Gebrauchsüberlassung des Geländes mit all seinen Einrichtungen abgeschlossen. Die Versicherung für die Gebäude sowie deren Unterhaltung bliebt bei der Stadt, alle anderen Aufgaben oblagen dem Sportverein. Im Rahmen einer AB- Maßnahme wurde der 1985 gesperrte Saal abgerissen. Die erste große Arbeit war die Wiedererrichtung des Bootslagers für die Abteilung Kanu mit der Maßgabe zu einem späteren Zeitpunkt auch wieder eine Aufstockung und den Saalausbau vornehmen zu können. 1993 konnte ein wichtiger Grundstein in der Entwicklung unserer Sportgemeinschaft gelegt werden. Anlässlich des zweiten Hafenfestes übertrug der damaliger Oberbürgermeister der Stadt Burg, Herr Daniel Kohnert, die Eigentumsrechte des Objektes „Am Kanal 20 a“, nicht zuletzt auf Grund der in den letzten Jahrzehnten hervorragenden Arbeit im Kinder- und Jugendbereich, an den Sportverein „Wassersportfreunde Burg e.V. 1924“. Am 26. Juni 1993 erfolgte die notarielle Überschreibung. Mit der Sanierung der Wohnung und der Gaststätte sowie der Aufstockung des Kanubootslagers und damit die Schaffung unseres Mehrzwecksaales wurde die Ziele neu abgesteckt. Konnte der Rohbau der Aufstockung des Kanubootslagers noch aus eigener Kraft bewerkstelligt werden, musste man sich für den Ausbau nach Hilfe umsehen. Ein Kredit wurde aufgenommen, ein Fördermittelantrag an den Landessportbund gestellt und die Stadt um Unterstützung gebeten. 1997, anlässlich des sechsten Hafenfestes, wurde der Mehrzwecksaal seiner Bestimmung übergeben. Zwischenzeitlich erhielt das ganze Haus eine automatische Heizung, die Wohnung und auch die Gaststätte konnten saniert und vermietet werden. Mit dem Außenputz 1997/98 wurde die Großmaßnahme „Wirtschaftsgebäude“ abgeschlossen. 1999 feierte die Sportgemeinschaft ihr 75 Jähriges Bestehen. Freunde aus nah und fern trafen sich an alter Wirkungsstätte und verlebten ein paar gemütliche Stunden. Nicht zuletzt fand man Lob und Anerkennung für die Arbeit die hier in den letzten Jahren geleistet und dem gesamten Gelände sowie auch den Gebäuden ein neues Aussehen gegeben hat. Eine weitere neue Herausforderung rückte auf uns zu. Der Ausbau des Elbe-Havel-Kanal’s. Die Kanalbrücke wurde demontiert und durch eine Fußgängerbrücke ersetzt. Diese Notbrücke über fast drei Jahre machte sich besonders im Kinderbereich negativ bemerkbar. Unser gerade erst begonnener Beitrag zum jährlichen Stadtfest, der „Promiachter“, konnte nicht weitergeführt werden. Mit dem Einzug der neuen Brücke am 11. Mai 2002 sowie deren Freigabe am 13. September 2002 zog wieder ein bisschen Normalität in unseren Alltag ein. Bis zu unserer 80 Jahr-Feier am 24.2.2004 konnten wichtige Sanierungsaufgaben durchgeführt werden. So eröffnete unserer Gaststätte die "Hafenschänke" neu, der erste Abschnitt der Sanitäranlagen wurde fertiggestellt, der Eingangsbereich zum Bootshaus neu gestaltet und pünktlich zur Feierstunde die Saalsanierung abgeschlossen. In den Folgejahren wurde an der Gestaltung und Verbesserung unserer Außenanlagen gearbeitet. Es wurden Anlegemöglichkeiten für durchfahrende Sportboote sowie auch Einstellplätze für Wohnmobile geschaffen bzw. bereitgestellt. Die jährliche Vereinsweihnachtsfeier bzw. der Schifferball bieten eine gute Gelegenheit gemeinsam erlebtes noch einmal zu beleuchten. Die Aktivitäten in den Abteilungen ergänzen die Angebote im Verein und spiegeln den Reiz einer Mitgliedschaft in einem Verein wieder.

Zum Abschluss der Vorsitzende:
"Wohin wir blicken, ob in die Politik oder in die Wirtschaft, überall steht es nicht zum Besten; allgemeine Unsicherheit, wachsende Hektik, ungelöste Probleme, drohende Krisen. Da frage ich mich manchmal, welchen Sinn macht es überhaupt sich im Verein eine kleine heile Welt zu schaffen, wenn um uns herum so viele Probleme ungelöst sind? Aber es gibt eine Begründung für unsere Bemühungen. Wenn es uns gelingt, in unserem Verein Kraft und Freude zu tanken, die uns hilft, die kleinen und großen Probleme des Alltags besser zu meistern, dann macht unsere Arbeit für den Verein und in unserem Verein einen Sinn".